Die politischen Macht­verhält­nisse in Europa und im Gebiet der heutigen Schweiz:

In Mittel- und Südeuropa hatte alles während fast 1000 Jahren unter der Kontrolle des Römischen Reiches seine Ordnung. Nachdem dieses zuerst in West- und Oströmische Kaiser-Regentschaften getrennt wurde, zerfiel das Reich zwischen 476 und 480 endgültig. Danach blieben Machtzentren übrig, welche von Königen und Kaisern übernommen wurden. Darunter waren Grafen, Fürsten sowie örtliche Adlige und Patrizier und Freiherren aktiv, welche das Grundeigentum innehatten und so die alltägliche Ordnung aufrecht hielten. Der Landeigentümer übte damals auch die niedere Gerichtsbarkeit aus. Die hohe Gerichtsbarkeit wie Todesstrafe oblag dem Hochadel. Die europäischen Akteure waren die Königshäuser England, Spanien/Portugal, Frankreich, Burgund, Deutschland/Österreich.
England hatte damals Vasallengebiete in Frankreich unter seiner Kontrolle. Im Osten des heutigen Frankreichs herrschte das Haus Burgund. England verbündete sich mehrmals mit Burgund, um den mächtigen Franzosenkönig in die Zange zu nehmen. Das Gebiet der heutigen Schweiz war im ersten Jahrtausend schwach besiedelt. Diagonal durch die Schweiz in etwa der Sprachbarriere entlang verlief die Grenze zwischen dem Königreich Hochburgund (888 – 1032; Burgund bis 1’384) und dem Herzogtum Schwaben (909 – 1313).
Das Grenzgebiet mit Bischofssitz Basel und der Burg Rheinfelden wurde Augstgau genannt. Das Mittelland zwischen Aare und Reuss (Nidau bis Luzern / Habsburg bis Grimselpass) nannte man Aargau. Beide Gaue gehörten zu Burgund, fielen dann jedoch unter das Rektorat der Schwaben. Westlich der Einflussbereiche der Habsburg und der Lenzburg sowie den Klöstern Muri und Beromünster gab es im Aargau keine bedeutenden Ansiedlungen.

Das Schwabenländer Fürstenhaus der Zähringer (ca. 1070 – 1228) ging städtebaulich in die Geschichte ein, indem unter ihrem Einfluss von Nord nach Süd die Städte Offenburg, Wilheim, Villingen-Schwenningen, Freiburg im Breisgau, St. Peter, Bräunlingen, Neuenburg am Rhein, 1127 Murten, 1130 Rheinfelden, 1157 Freiburg im Üechtland, 1186 Burgdorf, 1191 Bern und 1200 Thun erbaut wurden. Solothurn hüben der Aare war eine Burgunderstadt, fiel 1127 jedoch als Hinterlassenschaft an die Zähringer. Allen gemein sind augenscheinlich die heute noch sichtbaren Laubengänge mit den Geschäften.

Ab 1121 stiegen die Kyburger aus dem Schatten der Zähringer auf und übernahmen nach und nach deren Gebiete in der Ostschweiz; im sog. Aargau endgültig, nachdem 1228 der letzte Zähringer Berchtold V. verstorben war. (Stammsitz war die Kyburg zwischen Zürich und Winterthur, hervorgehend aus dem Schwabengeschlecht der Staufer). Im Jahre 1264 ging ihr Machtbereich durch Vormundschaft der letzten minderjährigen Kyburger Erbtochter Anna an das Fürstengeschlecht der Habsburger über, welche den Deutschen König stellten. Durch die Heirat von Anna mit Eberhard I., einem Vetter des Königs, entstand nun die Dynastie Neu-Kyburg, welche fortan das Umland von Bern im sog. Aargau bis 1382 mit Unterstützung der Habsburger als Schirmherren beherrschte. Im Oktober 1273 wurde der Habsburger Rudolf I. als deutscher Kaiser gewählt.

Die Habsburgerdynastie bestimmte fortan die Politik in Europa ein halbes Jahrtausend. Ihr Machtbereich erstreckte sich letztlich vom Oberelsass über Deutschland und Österreich bis in die Krain sowie Böhmen und Mähren. Über die Königshäuser Spaniens und Portugals erstreckte sich ihr Machteinfluss bis auf die Kolonialgebiete in Übersee aus. Die Macht erlangten sie nicht nur gewaltsam durch gewonnene Schlachten, sondern hauptsächlich durch politisch geschickte Verheiratungen. Aus heutiger Sicht waren es meistens quasi Zwangsheiraten. Die Gegenspieler England, Frankreich und Burgund blieben aber standhaft.

Widerstand gegen Kyburg/Habsburg

 

Im sog. Aargau gewann die Stadt Bern am 15. April 1218 unter dem letzten Zähringer den Titel „Freie Reichsstadt“ und war somit dem Deutschen Reich unter Staufer König Friedrich II. direkt unterstellt. Das Umland befand bzw. verblieb in Kyburger Hand. Bern musste bzw. sollte aber eine Reichssteuer entrichten.
1255 verweigerte Bern diese Steuer und stellte sich unter die Obhut des Grafen von Savojen, dessen Grafschaft zum Königreich Burgund gehörte. 1287 erklärte Burgund dem Deutschen Reich wegen dessen Expansion den Krieg. Obschon Bern eigentlich noch als «Freie Deutsche Reichsstadt» galt, was der Habsburger Rudolf I. am 15. Januar 1274 inzwischen als Deutscher Kaiser bestätigte, galt Bern nun für die Habsburger als feindlich. 1288 versuchte ein kaiserliches Heer erfolglos Bern einzunehmen. Im folgenden Jahr am 27. April 1289 unterlag Bern jedoch dem zweiten kaiserlichen Heer in der Schlacht an der Schosshalde. Vom Schirmherr in Savojen unterblieb die erwartete Unterstützung.
Ab Mai führte der Schultheiss Ulrich I. von Bubenberg mit Kaiser Rudolf I. erfolgreiche Friedensgespräche. Das Recht, auf „Freie Reichsstadt“ konnte erhalten werden und Bern musste sich weder dem Hause Habsburg noch Neu-Kyburg unterwerfen. Steuern mussten fortan an das Reich bezahlt werden, zudem eine grosse Busse. Bern wandte sich zudem endgültig vom burgundischen Savojen ab, da es im Stich gelassen worden war.

Das territoriale Streben Berns ging jedoch zum Nachteil Neu-Kyburgs weiter. So braute sich eine Allianz von verschiedenen Adligen unter Neu-Kyburger Führung zusammen. Im Frühjahr 1298 wurde in Freiburg ein Heer aufgestellt. Diesem traten burgundische Adlige, Wilhelm I. und Ulrich von Belp-Montenach, der Graf von der Waadt, der Graf von Greyerz, der Graf von Neuenburg sowie die Freiherren von Weissenburg bei. Die Allianz marschierte gegen Bern. Dieses hatte 1295 mit der Stadt Solothurn ein Städte-Bündnis geschlossen. Am 2. März 1298 stellten sich die Berner unterstützt von Solothurn dem Neu-Kyburger Heer in der Schlacht am Dornibühl in Oberwangen. Bern blieb siegreich. Im selben Jahr knöpften sich die Berner die Allianzteilnehmer vor, indem sie die Burgen Belp, Geristein und Bremgarten zerstörten. Auch unternahmen die Berner einen (weiteren) Angriff auf Wimmis, dem Sitz der Freiherren von Weissenburg. Folgend waren die Gümmenenkriege und weitere Weisseinburgkriege, letzte begannen jedoch schon vorher.

Nicht nur in Bern regte sich Wiederstand gegen das Deutsche Reich bzw. das Hause Habsburg. Im Gebiet der Urkantone war man der Herrschaft der Schwaben bzw. den Habsburgern zusehend überdrüssig. Die Widerspenstigkeit führte am 15. November 1315 zum ersten Machtkampf in der Schlacht zu Morgarten in Oberägeri. Das Heer der Habsburger, das die Innerschweizer zur Räson bringen sollte, unterlag kläglich. Weitere Schlachten folgten. Am 9. Juli 1386 kam es bei Sempbach zu einer Entscheidungsschlacht. Dabei fiel der Deutsche Kaiser, Namens Leopold III. im Kampf. Eine weitere folgte am 9. April 1388 in Näfels mit Sieg der Urkantone.


Wo steht da die Jagdburg

 

Zur Erbauungszeit der Jagdburg um 1300 besteht nebst der Neu-Kybuger Stadt Thun auf dem Gebiet westlich des Thunersees das Machtzentrum der Freiherren zu Strättligen und südlich in Wimmis ist der Stammsitz der Freiherren von Weissenburg, welche die Burg Wimmis im Lehn der Strättliger unterhielten und zu eigenem Nutzen massgeblich ausbauten. Ausserdem errichteten sie eine Talsperre und kontrollierten so den wichtigen Säumerweg vom Wallis her vollständig. Die Jagdburg gehört in den Einflussbereich des Chorherrenstifts von Amsoldingen, da sie von dessen Probst Heinrich erbaut worden ist. Sein Sohn Berchtold übergab die Jagdburg offensichtlich an das Hause Habsburg unter der Bedingung, sie weiterhin im Lehn zu besitzen. So konnte er sich gegenüber den Herren zu Strättligen und Weissenburg absichern, welche ihrerseits erst später die Nähe der Habsburger gegenüber dem aufstrebenden Bern suchten. Vergleiche Besitzerliste der Jagdburg.

Auf der (fantasievollen) Rekonstruktions-Zeichnung von Architekt O. Weber ist der Vermerk „von den Bernern gebrochen A.D. MCCLXXXVI“ zu lesen. Weber lernte die Burgruine 1908 kennen, nahm Masse von Mauerwerk sowie Burghügel auf und hat alles ausführlich beschrieben. Siehe sein 1928 publizierter Bericht.

Unsere Suche nach einem aktenkundigen Berner Angriff 1286 blieb bisher leider erfolglos.

Aber unter den vorerwähnten Machtverhältnissen besteht die Vermutung, wonach dies möglicherseise im Zusammenhang mit dem ersten Berner Feldzug gegen die Freiherren von Weissenburg stehen könnte, der im selben Jahr stattgefunden hat. Das Gürbe- und Stockental war damals einerseits der kürzeste Weg nach Wimmis und andererseits die wichtigste Verbindung wegen des Säumerweges zwischen dem Wallis und Bern. Angenommen, das Berner Heer hätte für das Ausrücken nach Wimmis das Aaretal gewählt, wäre eine Konfrontation mit dem Neu-Kyburgischen Thun naheliegend gewesen. Thun fiel erst 1322 durch die Brudermordgeschichte an Bern.

 

Unsere Erforschung geht also weiter!

Stiftung Jagdburg, sig. Andreas Stauffengger